Windegghütte SAC Sektion Bern
Die heimelige SAC-Hütte im einzigartigen Susten- und Triftgebiet
 
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Monika und Walter Lüthi
Leuweli
CH-6083 Hasliberg

allgemeine Geschäftsbedingungen

(c) 2006
Thomas Lüthi

Interessantes aus alter Zeit

 

Die Überwindung einer grossen Furcht: die Begehung des Triftgletschers

Lange Zeit war der Triftgletscher sehr gefürchtet. Es war sogar verboten, ihn zu überqueren.

Der Sage nach gab es im 18. Jahrhundert einen begehbaren Weg vom Wallis ins Gadmertal. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts betraten jedoch nur Gemsjäger und Kristallsucher die Gletschergegend. Während der Franzosenkriege flüchteten einige Leute aus dem Gadmertal über den Trift- und Rhonegletscher ins Wallis, was als absolute Verzweiflungstat galt.

Selbst ein mutiger Forscher sei 1839 von der Grimsel her nur bis zum Ursprung des Rhonegletschers vorgedrungen. Den Reisenden wurde vom Galenstock aus immer die graue Untiefe gezeigt, in welcher Heinrich Echs von Wasserwende seinen Tod fand. Er habe zu verbotener Zeit Schafe aus dem Wallis über den Triftgletscher getrieben, eine Schneebrücke stützte nicht und er fiel in einer Gletscherspalte zu Tode. Fünf von acht Guttannern, die den Mann aus seinem Eisgrab holten, mussten diese Tat drei Tage lang mit dem Verlust des Augenlichtes bezahlen.

Gottlieb Studer (1804-1890) reizte es schon länger, diese geheimnisvolle Welt zu erforschen. Zudem glaubte er, den Wissenschaftlern eine neue Möglichkeit für ihre Forschungen eröffnen zu können. Da er überzeugt war, dass Gegenden, die als "schauerlich" und unzugänglich gelten, oft mit Leichtigkeit zu besiegen sind, startete er 1839 sein Vorhaben:

Auf der Suche nach einem zuverlässigen Begleiter stiess er auf Johann von Weissenfluh. Zusammen mit dessen 14-jährigen Sohn nahmen sie den Weg auf sich. Sie stiegen auf der linken Talseite zügig hinauf. Nach einer guten Stunde sahen sie bereits den mächtigen Triftgletscher. Es schien, als ob er jedes Weiterkommen verhindern könnte. Rechts neigte sich ein Felsrücken gegen den Gletscher - die Windegg, die sie nach drei Stunden erreichten. Vor ihnen lag nun der Triftgletscher, welcher sich bis zum Horizont zog. Sie stiegen hinab auf den Gletscher. Da er kein starkes Gefälle aufwies, war ein Übergang möglich, jedoch schwierig. Dank grösster Vorsicht kamen sie bald in der Alphütte im Graaggi an.

Am nächsten Morgen machten sie sich früh auf den Weg. Der Gletscher - vom nächtlichen Regen spiegelglatt - konnte nur mit Fusseisen betreten werden. Nach zwei Stunden erreichten sie eine Höhe, die von der Windegg aus als die höchste schien. Sie zeigte sich aber als erste Stufe, hinter der sich der Gletscher kilometerbreit ausbreitete. Die weit offenen Spalten, welche die Firnfelder durchzogen, schienen unendlich tief. Angeseilt erreichten sie in fünf Stunden das höchste Firnjoch. Von da an ging es sanft abwärts über festen Firn. Als der Firn langsam der harten Eisfläche wich, hatten sie den obersten Teil des Rhonegletschers erreicht. Vorsichtig umgingen sie tiefe Spalten und überquerten ihn. Endlich erkannten sie die Gerstenhörner und betraten festen Boden. Nach einigen Umwegen - der Nebel liess sie die Orientierung verlieren - kamen sie auf dem Grimselhospitz an.

Nun war bewiesen, dass der Triftgletscher begehbar ist - Studer hatte sein Ziel erreicht. Dank seines sorgfältigen Reiseberichtes mit nützlichen Tips wagten sich immer mehr Reisende, den Triftgletscher zu begehen. Die jahrelange Angst wurde langsam überwunden.

Gletscherspalte auf dem Triftgletscher

Warnung von 1868

Die Trifthütte - sie liegt 3-4 Stunden oberhalb der Windegghütte - war die erste SAC-Hütte im Kanton Bern und wurde 1864 erbaut. Diese wurde oft von "nichtberechtigten" Kristallsuchern heimgesucht, welche Einrichtungen beschädigten und das Stroh verschmutzen. Deshalb wurde vom damaligen Präsidenten der SAC-Sektion Bern folgende Warnung herausgegeben, die überall im Haslital aufgehängt wurde:

Es ist der Sektion Bern des Schweizerischen Alpenklubs zur Kenntnis gebracht worden, dass die von ihr am Thältistock beim Triftgletscher in der Gemeinde Gadmen errichtete Klubhütte in der jüngsten Zeit auf unbefugte Weise von herumziehenden Kristallsammlern in Beschlag genommen, das vorrätige Holz verbrannt, das Futter verunreinigt und die Gerätschaften verdorben worden seien.
Diese Hütte ist aber ausschliesslich zur Benutzung für die durchreisenden Touristen und Alpenforscher und ihre Führer und Träger bestimmt.
Es wird daher Jedermann, der nicht in die Kategorie der Nutzungsberechtigten gehört, hiermit ernstlich ermahnt, ohne zuvor erhaltene Erlaubnis die fragliche Hütte nicht zu seinem Quartier zu wählen. Man will es allerdings nicht verwehren, dass, wenn die Noth es erfordert, wie z.B. bei eintretendem Unwetter, auch Nichtberechtigte die Hütte als schützendes Obdach beziehen und vorübergehend benutzen mögen, - insofern dadurch allfällige Reisende mit ihrer Begleitung nicht an der selbsteigenen vollen Benutzung derselben gehindert oder gar verdrängt werden. Allein, jeder Missbrauch einer solchen Vergünstigung, jeder unbefugte Verbrauch des vorrätigen Futters und Brennholzes, jede Verunreinigung oder Beschädigung an der Hütte selbst oder an den darin befindlichen Gerätschaften, sowie jedes unerlaubte längere Quartiernehmen von Seite Unberechtigter wird hiermit untersagt, und allfällige Störer des Besitzes werden im Entdeckungsfall unnachsichtig dem Strafrichter überwiesen werden.
Die Klubhütte am Thältistock ist mit nicht unbedeutenden Kosten erstellt worden. Sie soll zunächst den Zwecken des Alpenklubs und in weiterem Sinn jedem Touristen, der diese Gletschergegend besucht, zum Asyle dienen. Soll sie ihre Zwecke erfüllen, so muss sie so lange als möglich erhalten und daher möglichst geschont werden. Eine stete Beaufsichtigung derselben kann, ihrer Abgelegenheit wegen, nicht stattfinden. Die Ehre eines Jeden, der sie besucht, die Ehre besonders auch der nächsten Anwohner, die diese Gegend in ihrem Privatinteresse ausbeuten, ist daher einigermassen dafür verpfändet, dass der fraglichen Hütte diese Schonung zu Theil werde, und wir hegen das Vertrauen, dass es nur dieser freundlichen aber ernstgemeinten Warnung bedürfe, um keine ferneren Klagen der Eingangs erwähnten Art aufkommen zu lassen.

Bern, den 11. September 1868

Namens der Sektion Bern des S.A.C.
Der Präsident: Studer


 

"Auch etwas aus unseren Bergen"
Auszug aus der von Weissenfluh-Chronik

Heinrich Egger, ein lidenschaftlicher Jeger, starken Kerperbaus und beherzt, doch mit den hohen Gebirgsrevieren zu wenig bekannt, kam am 11ten November letzthin zu minem Sohn Johann, um auf die Gemsenjagd nach dem Triftgebiet zu gehen; mine Söhne witreten Gefahr, der Schnee-Lauenen halb; der Föhn hatte etliche Tage vorher die Trift stark angeblasen. Egger suchte andre Kameraden, namentlich zwey uns ganz Verwandte, Heinrich von Wissenfluh und Kasper Streich, beide im Ahori. Egger kam am 13ten vor Tag in's Ahori; die im Ahori weigerten sich, endlich aber giengen sie mit.

Der Ausflug gieng auf den Drosistock; Egger und Wissenfluh stiegen auf den Stock, während der Streich vom Morgen her, oder Drosigletscher, die Gemsen antrieb. Streich hörte Schüsse im fernen, aber mitler Zit rückt der Abend an; dem Streich wird bang; er ruft; er wartet; die Nacht bricht an, - kein Lut; nur sin leerer Schall kommt zurück; nur Nacht und Totenstille; sine Kameraden kamen nicht.

Streich lauft in's Thal und bringt Kunde über das Vorgefallene; die Verwandten kommen zu minen Söhnen, um nachzusuchen. Sechzig Mann schlossen sich an, und in der Nacht vom 14ten auf den 15ten kamen die Leute hinauf. Es erzeigte sich bald, dass die Jeger einen Föhn-Schild abgetreten, zu einer grossen Laue geworden und die Jeger begraben; Der Laue-Schnee war an verschiedenen Stellen bis 14 Fuss. Nirgends keine Spur: erst um Mittag stiess man auf die Lichen: sie lagen nebeneinander, die Stöcke krampfhaft in Henden, Gewehr und Waidtasche am Rucken. Der Schnee, wo sie bedeckte, mag acht Schuh hoch sin; wahrscheinlich haben die Jeger wegen der Nacht geeilt, sich auf den Hindern gesetzt, um schnell hinunter zu rutschen, wobei die Rinde vom Schnee, das dem Föhnschnee eigen ist, zersprungen, grossartig auf vielen Punkten losgerissen und in die Tiefe geschleudret.

Die Lichen wurden den Ihrigen in das Haus gebracht; es sind beide Familienväter, Wissenfluh von 7, Egger von 3 Kindern, aber keiner arm.

Die Berge fordern von Zit zu Zit ihre Opfer; wer da umher wandelt, bricht oft Unglicksblumen. Gott behüte uns vor derglichen Unglicksfällen!

 

Monika und Walter Lüthi - Bergführer/Hüttenwart - 6083 Hasliberg Hohfluh - Tel Hütte: 033 975 11 10 - Tel/Fax privat: 033 971 35 51 - Mail: huettenwart@windegghuette.ch